Ausstellung 25.Juni – 24.Juli 2005
Stefan Mauck „Ausbaureserve“
Eröffnung FR 24.Juni ab 19h
Stefan Mauck(*1973)arbeitet in Berlin, Braunschweig und Bern. Der Atelierkünstler des Berner PROGR-Zentrums für Kulturproduktion, der den diesjährigen Sprengelpreis für Bildende Kunst gewonnen hat, setzt sich mit dem komplexen Geflecht auseinander, das sich aus architektonischen Gegebenheiten und sozialen Bedingungen ergibt. Im Zentrum seiner Arbeit steht das Haus in all seinen Erscheinungsformen, von der englischen Militärsiedlung zur Stadtvilla, vom Bauernhof zur Grosssiedlung. Der Künstler untersucht das Phänomen des Wohnens als direkten Ausdruck gesellschaftlich – kultureller Lebensformen und Ansprüche. Der Wohnbereich erscheint nicht nur als intimer Schutzraum, sondern auch als Projektionsfläche für gesellschaftliche Bedingungen und Zwänge. Die speziellen Mechanismen, die der Wohnungsmarkt entwickelt hat, um den Wünschen der Menschen nach Stabilität, Komfort und Sicherheit zu entsprechen, werden ad absurdum geführt.
Der Pavillon der Stadtgalerie wurde zu einem Dachbodenraum umgebaut. Eine sogenannte „Ausbaureserve“ ist entstanden, auf die potentielle Interessenten in einem Inserat im Berner Anzeiger aufmerksam gemacht werden. In Anlehnung an die übliche Makler-Rhetorik werden die negativen Aspekte der städtebaulich problematischen Parzelle verschwiegen und stattdessen „die gute Verkehrsanbindung, der unüberbaubare Blick auf das Aaretal sowie die unmittelbare Nachbarschaft zu sozialen und kulturellen Einrichtungen“ gepriesen.
Josef Frank wies schon 1931 darauf hin, dass die Mansarde all das enthält, was wir in den darunter liegenden, planvoll und rational eingerichteten Wohnungen vergeblich suchen: „Leben. Grosse Räume, grosse Fenster, viele Ecken, krumme Wände,... - kurz all die Vielfältigkeit, die wir im neuen Haus suchen, um der trostlosen Öde des rechteckigen Zimmers zu entgehen.“ Die Mansarde ist ein Ort des Unbewussten. Normalerweise bietet sie Raum für Sperriges, Altes und Ungebrauchtes, ist Entdeckungsinsel, Rumpelkammer und Rückzugsort. Das Wort „Ausbaureserve“ suggeriert, dass auch der letzte Zentimeter des ungenutzten Raumes funktional nutzbar gemacht werden könnte, eine Tendenz, die den gesamten städtischen Wohnungsbau bestimmt. Der Spruch „Urbanität durch Dichte“ prangt auf einem der T-Shirts, die an der Wäscheleine auf dem ansonsten leerem Dachboden hängen. Stefan Mauck überprüft solche Slogans mit einem treffenden Gespür für Realsatire.
Beate Engel
Biographie Stefan Mauck:
1994 – 2001 Studium der Freien Kunst an der HbK Braunschweig, Meisterschüler bei Johannes Brus
1998 Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes
2002 Schinkelpreis, Architekten- und Ingenieurverband, Berlin
2004 Projektstipendium Stiftung Kunstfonds, Bonn
Jahresstipendium des Landes Niedersachsen
Karl Schmidt-Rottluff-Stipendium
Förderkoje, Art Cologne
2005 Sprengel-Preis für bildende Kunst, Sprengel-Preis Hannover
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